Samnium und die Samniten. Rom letzter Rivale

11.05. – 25.09.2022

         

Das antike Volk der Samniten hatte seine Heimat im Herzen Süditaliens, in einem Gebiet, das die gesamte heutige Region Molise, den nördlichen Teil Apuliens, schmale Streifen im Süden umfasst. Dort formierte sich um  die Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. die samnitische Kultur. Nach römischen Quellen hatten die Samniten sabinische Wurzeln.  In der Berg- und Hügellanschaft ihrer Siedlungsregion betrieben sie eine extensive Weidewirtschaft mit Schafen und Ziegen. An den Triften der Viehherden entstanden bisweilen größere Siedlungen.

Ins Rampenlicht der Geschichte traten die Samniten durch ihre kriegerischen Konflikte mit den Römern in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts und im frühen 3. Jahrhundert v. Chr.: Die sogenannten Samnitenkriege brachten den Samniten nicht nur glänzende Siege ein wie in der berühmten Schlacht an den Caudinischen Pässen, nach der sie die römischen Legionen samt den kommandierenden Konsuln unter das Joch zwangen. Vielmehr erlitten sie auch schmerzliche Niederlagen, so dass diese Auseinandersetzung schließlich mit dem Triumph Roms endete.

Zwar lebten die Samniten in den folgenden Jahrhunderten unter stetig wachsendem politischen Einfluss der Römer, doch scheinen sie trotzdem eine weitgehende kulturelle Unabhängigkeit bewahrt zu haben, wie sie sich etwa im eindrucksvollen Heiligtum von Pietrabbondante mit seinen reichen Funden manifestiert. Allerdings gehörten sie dabei – ebenso wie die Etrusker oder auch die Römer – zu einer hellenistischen Koine, einer griechisch geprägten Einheitskultur, die sich in Mittelitalien seit der klassischen Zeit des 5. und 4. vorchristlichen Jahrhunderts gebildet hatte. Wie wir es ebenso im Fall der Etrusker, der Umbrer oder der Sabiner beobachten können, wurde auch bei den Samniten der römische Einfluss in späthellenistischer Zeit so umfassend und dominant, dass das Samnitische im Römischen aufging.

Das Ausstellungsprojekt, das auf Anregung des Italienischen Generalkonsuls in München, Enrico de Agostini, durch die Staatlichen Antikensammlungen erarbeitet wurde, setzt sich zum Ziel, einen möglichst umfassenden Blick auf Geschichte, Kunst und Kultur des antiken Samnium zu werfen, dabei aber auch ganz bewusst die herausragende Qualität zu dokumentieren, die viele samnitische Fundstücke aus der Antike besitzen. Durch reiche Leihgaben vor allem aus den Sammlungen in Benevent (Museo Arcos und Museo del Sannio), in Montesarchio (Museo Archeologico del Sannio Caudino) und in Campobasso (Museo Sannitico) wird damit die samnitische Kultur erstmals außerhalb Italien in einer umfassenden Schau gewürdigt.

Zur Ausstellung erscheint ein →Katalog.
Zwei Zeitungsartikel zur Ausstellung
(Süddeutsche Zeitung vom 10.05.2022) finden Sie →hier.